In dieser Nacht wurde mir wieder einmal deutlich, warum ich Lehrer geworden bin. Einfach wegen solcher Erlebnisse.
Ganz im Mittelpunkt der langen Nacht der Mathematik in unserer Mensa standen die etwa 70 Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgängen sechs bis zehn – unterstützt von ein paar Schülerinnen aus der Oberstufe.
Schon am frühen Abend saßen sie erst über Pizzablechen, anschließend in kleinen Gruppen über den Aufgaben, erst noch kichernd und aufgeregt, später hochkonzentriert. Manche zeichneten Skizzen und Pfeile in ihre Hefte, andere programmierten kleine Simulationen oder probierten systematisch alle Möglichkeiten durch.
Eine Gruppe kämpfte sich zum Beispiel durch ein Logikrätsel aus dem ÖPNV: Fünf Personen steigen an derselben Haltestelle in die Stadtbahn, jede hört etwas anderes über Kopfhörer und steigt an einer anderen Station wieder aus. Aus ein paar knappen Hinweisen mussten die Schülerinnen und Schüler rekonstruieren, wer wo sitzt, was hört und wo wieder aussteigt. Nach vielen falschen Fährten und wilden Diskussionen kam plötzlich dieser Moment, in dem jemand sagt: „Wartet mal – dann MUSS Erica an der Habichtstraße aussteigen…“ – und auf einmal passt alles zusammen. Genau diese Augenblicke, in denen der Knoten platzt, sind unbezahlbar.
Geometrie, Zahlenkunde, Logik – für jede und jeden war etwas dabei. Manche Aufgaben waren in zehn Minuten gelöst, an anderen saßen die Gruppen eine Stunde lang, bis endlich eine Idee funktionierte. Trotzdem wurde nicht aufgegeben, sondern weiter probiert, verbessert, verworfen, neu gedacht. So sieht Lernen aus, wenn es ernsthaft ist und gleichzeitig Spaß macht.
Unsere Kollegin Frau Wools, selbst noch angeschlagen von einer Erkältung, hat die „Lange Nacht der Mathematik“ an unserer Schule überhaupt erst eingeführt und auch diese Nacht organisiert. Damit sie zwischendurch ein paar Stunden Schlaf zur Genesung bekommen konnte, ist spontan Frau Bausch eingesprungen und hat die Übernachtungsbetreuung übernommen – ausgerechnet sie, die schon beim Wort Zelten innerlich zusammenzuckt. Unterstützt wurden wir von großartigen Kolleginnen und Kollegen sowie unseren Referendaren: Ein herzliches Danke an Herrn Meyer, Herrn Kiszewski und Herrn Dahlhaus, die unseren Schülerinnen und Schülern beim Knobeln geholfen haben, ohne ihnen die eigentliche Denkarbeit abzunehmen. Sie haben Fragen gestellt, Denkwege freigeräumt und motiviert, wenn der Frust mal größer war als die Lust auf Zahlen.
Und dann war da noch unser Hausmeister Herr Deuster, der sogar einen privaten Termin abgesagt hat, um abends die kalte Heizung in einem Teil der Aula wieder in Gang zu bringen. Ohne warme Räume knobelt es sich einfach schlecht – auch das gehört zu so einer Nacht dazu.
Parallel dazu konnte die Technik-AG in der Aula Lichtsequenzen zu verschiedenen Songs programmieren. Unterstützt wurden sie von einem ehemaligen Schüler, der uns LED-Bars und eine Nebelmaschine geliehen hat. Zwischendurch verwandelte sich die Aula damit in eine kleine Lightshow-Bühne.
Schule als Ort, an dem Mathe, Technik und Kreativität zusammenkommen. So stelle ich mir das vor.
Danke
Max Kropp


































